DIE ROULETTE-KUGEL
Roulettekugeln entscheiden, wer gewinnt und wer nicht. Daher sollte man ihnen Beachtung schenken. Oberflächlich betrachtet sehen alle Roulettekugeln gleich aus, daher schreibt man unbewusst jeder Kugel auch gleiche Eigenschaften zu. Dem ist aber überhaupt nicht so. Wer kann schon schätzen, ob eine Kugel einen Durchmesser von 19 oder 19,5 Millimetern hat? Dieser halbe Millimeter entscheidet aber oft über Sieg oder Niederlage, denn kleinste Änderungen der Kugeleigenschaften haben andere Fall- und Rolleigenschaften zur Folge. So kann man als Kesselgucker richtig ins Messer laufen, wenn man nicht sieht, dass die Kugel gewechselt wurde.
Die Materialen und der Durchmesser bestimmen die Kugeleigenschaften, daher muss man unbedingt jede Kugel für sich analysieren und darf nicht aus Bequemlichkeit Daten zusammen würfeln, die über Tage ermittelt wurden, wenn man definitiv weiß, das die Kugeln gewechselt wurden.
Man beobachte mal den Saalchef bei Tischöffnung, wenn er die Kugeln freigibt. Meist wird noch die nur unter einem Geldscheinprüfer sichtbare Nummer auf der Kugel notiert und dann ein paar Runden zum Test gedreht. Manchmal werden gar verschiedene Kugeln getestet - ruhig mal zusehen und zuhören!
Teflonkugeln sammeln Dreck ohne Ende, da sie sich stark aufladen. Daher sollte man aufpassen, wenn die Kugel auf einmal vom Croupier oder Tisch-Chef geputzt wird – dies kann auch ein unbemerkter Kugelwechsel werden!
Kugeln sind an sich ein billiger Spaß fürs Casino, denn bei 1 bis 3 Euro für eine Ivorene-Kugel oder Nylon-Kugel kann man oft wechseln ohne gleich Pleite zu gehen. Teflon-Kugeln sind mit ca. 15 Euro weitaus teurer, aber auch mal schnell verkratzt von den Kollisionen mit den scharfkantigen Rauten. Daher werden auch hier öfters Neuanschaffungen getätigt.
Kugeln brauchen Pflege und eine sorgsame Aufbewahrung. Casinos haben kleine Kästchen, teilweise mit Schloß, für ihre Kugel. So sind auch Manipulationen an den Kugeln ausgeschlossen – zumindest für den Normalspieler, der Finanzbeamte könnte dies schon eher, aber das wollen wir nicht unterstellen.
Der Vollständigkeit halber sei noch das hartnäckige Gerücht um „hohle“ Kugeln erwähnt, die chaotische Rolleigenschaften haben sollen. Bis dato ist dem Autor keine solche Kugel gezeigt worden, aber vielleicht kommt ja einmal der Beweis ans Licht. Nachvollziehbar wäre der Wunsch der Casinos nach solchen Kugeln, aber sie dürften im Handling für den Drehcroupier auch schwieriger sein. Man muss schon bei normalen Kugeln oft genug ansehen, wie junge Croupiers diese durch den Raum schießen lassen.
Wer einen Kessel sein Eigen nennt, sollte sich eine repräsentative Kugelsammlung anlegen. Ich rate aber von Experimenten mit Glasmurmeln und Stahlkugeln ab – sie zerstören nur die Rauten, und es kommt zu hässlichen Chromplatzern und Dellen. Der experimentelle Wert ist zudem sehr fragwürdig.
Als Bezugsquelle für Kugeln sind die üblichen Händler von Casino-Equipment zu nennen. Repräsentativ sei www.animazing.de empfohlen. Ansonsten sei stets ein Blick auf EBAY dem Leser ans Herz gelegt – so manches Kleinod bietet sich hier. Es wurden schon wunderschöne alte Elfenbeinkugeln als Schlüsselanhänger angeboten und ein Blick auf „Dachbodenfund: Roulette-Dings ab 1 Euro“ kann auch lohnen, vielleicht steckt ja ein wunderschöner alter Caro-Kessel hinter der nichtssagenden Artikelbeschreibung.
Eine kleine Kugel-Kollektion :

Fach 28 Nylon 21mm
Fach 12 Teflon 21mm
Fach 35 Elfenbein 20mm
Fach 3 Ivorene 19,5mm
Fach 26 Delrine 19mm
Fach 0 Teflon 18mm
Fach 32 Ivorene 17,8mm
Fach 15 Ivorene 16mm
Fach 19 Ivorene 14mm
Fach 4 Ivorene 12mm
Fach 21 Ivorene 10mm
Die Kugeln von 21 bis 18 mm trifft man im Casino-Alltag an, während man die kleineren Kugeln nur bei Spielzeug- und Heimroulettes sehen wird.
Tipp: Jearl Walkers Buch „Ein Ball mit Drall“ erklärt hervorragend die Kräfte, die auf Bälle und Kugeln wirken. Begriffe wie Effet, Sidespin, Reibung, Fliehkräfte, etc. werden mit vielen Darstellungen in knapper aber auch für Laien verständlicher Form erläutert.
Die Nylon-Kugel sieht man weniger hierzulande. Sie läuft sehr ruhig und hat auch eine recht kurze Streuweite bedingt durch ihr Gewicht. Die gelbe Färbung macht sie leicht erkennbar. Der Klang bei der Kollision ähnelt einer Billardkugel.

Schneeweiße Teflon-Kugeln sind weit verbreitet. Man erkennt sie an ihrer recht kurzen Streuung und an dem sehr dumpfen Klang („Plokkkk”) bei der Kollision. Sie schimmern speckig-milchig und sammeln dank statischer Aufladung jeden Dreck und Staub aus dem Kessel.
Vorsicht ist geboten bei Teflon-Kugeln, die rattern. Sie scheinen oft einen exzentrischen Schwerpunkt zu haben und streuen unkontrolliert.
Delrine-Kugeln sind kaum von Teflons zu unterscheiden. Der Klang ist etwas heller und sie wirken optisch etwas gläserner. Den Unterschied merkt man nur, wenn man beide Exemplare in der Hand hat.

Ivorene Kugeln sind sehr häufig zu sehen und zu hören, denn ein nerviges „Klack-Klick-Klack-Kleck-Klick” ist ihr Markenzeichen. Dazu gehören auch irre Sprünge rund um den Kessel - kein schöner Anblick. Die Maserung soll an die alten Elfenbeinkugeln erinnern. Sie werden gerne in kleinen Durchmessern in Automaten-Roulettes eingesetzt, wo die Kugel ja manchmal irre Kapriolen schlägt.

Elfenbeinkugeln sind seit dem Artenschutzabkommen komplett aus dem Verkehr gezogen. Ist auch besser so, zum einen für die Elefanten, zum anderen für jeden Gucker, denn das vorliegende Exemplar ähnelt eher einer Kartoffel als einer Kugel und rattert bis man einen Hörsturz bekommt. Man erkennt sie an der schönen Maserung, die bei jeder Kugel individuell ist - ein Naturprodukt.
Wunderschön gemasertes Elfenbein und ein riesiger Durchmesser (23mm) machen diese Kugel zum Traum eine jeden Kesselguckers. So etwas wird man aber in keinem Casino mehr finden. Schade.

[Diesen und weitere Artikel über Roulette Analysen findet man im aktuellen Buch Roulette und Physik]





